Der Mangaka Hisashi Eguchi, bekannt für seine Arbeiten an Werken wie „Perfect Blue“, „Roujin Z“ und „Sonny Boy“, hat Ende 2025 eine öffentliche Entschuldigung ausgesprochen. Der Künstler gab zu, Tracing – das Nachzeichnen von Fotos – in einer kommerziellen Illustration verwendet zu haben, die für ein Kulturfestival in Japan angefertigt wurde. Die Kontroverse begann im Oktober, als das Model und die Schriftstellerin Kyū Kanai überrascht feststellte, dass ihr eigenes Bild ohne ihr vorheriges Wissen auf Plakaten in der Region Ogikubo in Tokio abgebildet war.
Seitdem erklärte Eguchi seinen Arbeitsprozess und einigte sich über Anwälte mit dem Model. Aufgrund der negativen Resonanz entfernten jedoch große Unternehmen wie die Ladenkette Lumine und Denny’s Japan seine Illustrationen und versprachen, künftige Zusammenarbeiten zu überprüfen. Daher entfachte der Fall Anfang 2026 eine entscheidende Debatte in der Kunstszene: Wo liegt die Grenze zwischen Referenz, Inspiration und Urheberrechtsverletzung im digitalen Zeitalter?
Von der Entschuldigung zu den praktischen Konsequenzen
In seiner Stellungnahme in den sozialen Medien wurde Eguchi direkt. Er gab zu, dass er über 40 Jahre lang eine analoge Arbeitsmethode beibehalten hatte, bei der das Tracing von Fotos Teil des ersten Entwurfs war. Der Mangaka räumte jedoch auch ein, dass er sich nicht über die sozialen und ethischen Normen informiert hatte, die sich in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hatten. „Ich habe mich unbewusst an das unreife Verständnis geklammert, das ich in meinen unbeschwerten Zwanzigern hatte“, schrieb er in einer Reflexion über seine Karriere. Nach dem ersten Kontakt gab das Model Kyū Kanai ihre Zustimmung zur Nutzung des Bildes, doch die Situation hatte bereits Ausmaße eines Skandals angenommen.
Als direkte Folge entfernte die Lumine Ogikubo sämtliche Werbung für die Veranstaltung, die die Kunst enthielt. Ebenso kündigte Denny’s Japan eine Pause bei der Verwendung von Eguchis Illustrationen in ihren Werbematerialien an. Somit dient der Vorfall als Warnung für Kreative auf der ganzen Welt, besonders in Deutschland, wo die Anime- und Manga-Fankultur riesig ist. Die Diskussion über Originalität und die Grenzen der Referenz wird voraussichtlich auch Anfang 2026 sowohl in Japan als auch international weiterhin hitzig geführt werden.