Das Rad der Zeit (*The Wheel of Time*), eine der größten Fantasy-Sagas der Weltliteratur, kehrt offiziell zurück – allerdings in einer ganz anderen Form, als Fans sie bisher kannten. iwot Studios, die Rechteinhaber von Robert Jordans Werk, haben angekündigt, dass sie eine neue Animationsserie, Animationsfilme und ein Videospiel entwickeln, die im Universum der Franchise angesiedelt sind. Die Neuigkeit bringt jedoch ein Detail mit sich, das die Meinungen im Fandom spaltet.
Die Ausrichtung ist klar auf ein jüngeres Publikum und die globale Expansion des IPs (*Intellectual Property*) gerichtet, was eine signifikante strategische Änderung gegenüber der Live-Action-Produktion darstellt, die von Prime Video ausgestrahlt und nach drei Staffeln abgesetzt wurde. Darüber hinaus sind für die neuen Projekte noch keine Vertriebsplattformen festgelegt, was bedeutet, dass sich die Franchise vollständig von Amazon lösen könnte.
## Was iwot Studios über Das Rad der Zeit angekündigt hat
iwot Studios hat enthüllt, dass sie an drei Hauptfronten arbeiten: einer Animationsserie, Animationsfilmen (*animated feature films*) und einem Videospiel für PC und Mobilgeräte. Alle Projekte werden in Partnerschaft mit Thomas Wu entwickelt, einem Fachmann, der für seine Arbeit an der Netflix-Animationsserie *Arcane* und seine Beteiligung an Riot Games, dem Schöpfer von *League of Legends*, bekannt ist. Auch Initiate Entertainment von Anthony Borquez ist an den Produktionen beteiligt.
Laut der Ankündigung sind die Projekte auf ein „junges Publikum“ ausgerichtet und sollen „die globale Präsenz der Franchise erweitern“. Das Spiel wiederum zielt darauf ab, „die Reichweite der Franchise über verschiedene Plattformen hinweg zu erweitern und Fans auf der ganzen Welt zu engagieren“.
## Strategiewechsel: Von Live-Action zum Animationsuniversum
Die Live-Action-Serie von *Das Rad der Zeit* wurde von Prime Video mit dem klaren Ziel produziert, dasselbe Publikum anzusprechen, das sich nach epischer Fantasy sehnte und *Game of Thrones* konsumierte, und Interesse an *The Witcher* (Netflix) und *Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht* (ebenfalls von Amazon) zeigte. Nach drei Staffeln wurde das Projekt jedoch abgesetzt.
Nun ändert sich der Ansatz komplett. Anstatt direkt mit teuren Live-Action-Produktionen zu konkurrieren, setzt iwot Studios auf Animation, um eine neue Generation von Fans zu gewinnen und Robert Jordans Universum zugänglicher zu machen. Die Entscheidung könnte ein Versuch sein, eine solide Fanbasis aufzubauen, bevor zukünftige Investitionen in Live-Action getätigt werden.
## Thomas Wu und die Erfahrung mit Arcane
Die Verpflichtung von Thomas Wu ist einer der relevantesten Punkte der Ankündigung. Der Fachmann verfügt über nachgewiesene Erfahrung in der Adaption von Videospieluniversen in hochwertige Animationen und war am Erfolg von *Arcane* beteiligt, einer Serie basierend auf *League of Legends*, die auf Netflix Publikum und Kritiker überzeugte.
„Ich sehe eine enorme Chance darin, *Das Rad der Zeit* in authentische, integrierte, interaktive und animierte Erzählerlebnisse zu erweitern“, sagte Wu in einer offiziellen Erklärung. „Die Tiefe der Mythologie bietet eine Grundlage für nachhaltiges, plattformübergreifendes Wachstum der Franchise.“
## Hinter den Kulissen der Produktion
Rick Selvage, CEO von iwot Studios, und Larry Mondragon, Chief Operating Officer, leiten diese neue Phase der Franchise. Beide hatten bereits die Live-Action-Serie produziert und koordinieren nun den Übergang zum animierten und interaktiven Format. Laut ihren Worten hat Thomas Wu „konsequent die Fähigkeit bewiesen, Erzählungen in globale Unterhaltungsfranchises zu verwandeln“.
„Sein Hintergrund an der Schnittstelle von Erzählung, Technologie und Franchise-Architektur macht ihn besonders qualifiziert, *Das Rad der Zeit* in neue immersive Formate zu erweitern“, erklärte Selvage.
## Die literarische Grundlage: 14 Bücher und eine riesige Mythologie
*Das Rad der Zeit* basiert auf Robert Jordans epischer Fantasy, die sich über 14 Romane erstreckt, die zwischen 1990 und 2013 veröffentlicht wurden. Jordan starb 2007, bevor er die Geschichte abschließen konnte, hinterließ aber detaillierte Notizen, damit sein Kollege Brandon Sanderson die Saga vollenden konnte. Sanderson schrieb die letzten drei Bücher der Reihe.
Es ist erwähnenswert, dass Sanderson kürzlich eine beispiellose Vereinbarung mit Apple TV+ unterzeichnet hat, um sein eigenes Fantasy-Universum, das *Cosmere*, für Kino und Fernsehen zu adaptieren. Dieser Schritt deutet darauf hin, dass der Markt für literarische Fantasy-Adaptionen weiterhin heiß und wettbewerbsintensiv ist.
## Was die Zukunft für die Franchise bereithält
Trotz der von den iwot Studios-Direktoren gezeigten Begeisterung gibt es noch viele Unbekannte. Die Animationsprojekte und das Spiel haben noch keine definierten Publisher oder Streaming-Plattformen, was offen lässt, wo das Publikum diese neuen Produktionen sehen und spielen kann.
Die Fangemeinde ihrerseits zeigt gemischte Reaktionen. Ein Teil des Fandoms freut sich über die Möglichkeit einer animierten Adaption, die der Weite des Originalmaterials treuer sein könnte – das von vielen als schwer zu adaptieren in Live-Action angesehen wird, da die Handlung komplex und die Anzahl der Charaktere hoch ist. Andere äußern jedoch Frustration über die Absetzung der Live-Action-Serie und stellen in Frage, ob die Animation die erwachsene Essenz der Bücher einfangen kann.
## Fanreaktionen und Debatte über die Zielgruppe
In den Kommentaren von Fachpublikationen äußerten zahlreiche Fans unterschiedliche Meinungen. Einige betonen, dass Animation das ideale Format sein könnte, um die Magie und die fantastischen Welten von *Das Rad der Zeit* originalgetreu darzustellen. Andere hinterfragen die Entscheidung, die Franchise auf ein jüngeres Publikum auszurichten, da die Bücher erwachsene und komplexe Themen enthalten, die ihrer Meinung nach nicht gut zu einem kinderorientierten Ansatz passen.
Die Debatte spiegelt ein wiederkehrendes Dilemma bei der Adaption großer Franchises wider: Wie kann man die Treue zum Originalmaterial mit der Notwendigkeit, neue Zielgruppen zu erschließen und die langfristige kommerzielle Rentabilität zu sichern, in Einklang bringen?